Die Kirche stammt aus dem 11. Jahrhundert, wurde jedoch im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. Aus ihrer ursprünglichen Zeit ist nichts erhalten, wohl aber aus dem 12. Jahrhundert, wie etwa der seitlich versetzte Turm. Aus dem 14. Jahrhundert stammt das gotische Portal mit zwei Spitzbögen und mit Pflanzenmotiven verzierten Kämpfern. Im gleichen gotischen Stil sind das Rosettenfenster und das Querhaus aus dem 16. Jahrhundert.
Doch die wahre Schönheit des Tempels liegt im Inneren, wo sich reich verzierte Stuckarbeiten finden. Besonders beeindruckend ist der Hochaltar im churrigueresken Stil, der von der Figur des Heiligen Bartholomäus dominiert wird, flankiert von Josef, Johannes dem Täufer und einem gekreuzigten Christus. Im Querhaus befinden sich eine Darstellung des Ecce Homo aus dem 17. Jahrhundert sowie eine Skulptur der Schmerzensmutter, geschaffen 1705 vom vallisoletanischen Bildhauer José de Rozas, die deutliche Einflüsse ähnlicher Werke des Renaissance-Bildhauers Juan de Juni zeigt.
Diese Kirche ist Sitz von zwei Bruderschaften der Karwoche von Astorga: der Bruderschaft der Ritter der Stille unseres Herrn Jesus Nazarener und der Erzbruderschaft Unserer Lieben Frau der Schmerzen.
Die Bruderschaft der Ritter der Stille wurde 1926 gegründet und führt am Schmerzenssamstag die Prozession mit dem Ecce Homo von der Einsiedelei im nahegelegenen Valdeviejas zum Bruderschaftsgebäude neben der Kirche San Bartolomé durch. Sie nimmt außerdem gemeinsam mit anderen Bruderschaften an der Kreuzweg-Prozession am Heiligen Dienstag teil und veranstaltet am Gründonnerstagabend die Prozession der Stille, bei der unter anderem die Hauptfigur der Bruderschaft mitgeführt wird.
Die Erzbruderschaft Unserer Lieben Frau der Schmerzen wurde 1911 gegründet. Während der Karwoche in Astorga organisiert sie ihre Hauptprozession am Palmsonntagnachmittag. Diese beginnt und endet an der Kirche San Bartolomäus, wo die Gläubigen beim Einzug der Figur der Schmerzensmutter eine Volks-Salve singen. Die Erzbruderschaft nimmt ebenfalls an der Kreuzweg-Prozession am Heiligen Dienstag teil.
Wissenswertes
Zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert tagte der Stadtrat von Astorga in der Kirche San Bartolomäus, da es damals kein öffentliches Verwaltungsgebäude für die Stadtregierung gab. Erst mit dem Bau des heutigen Rathauses auf der benachbarten Plaza Mayor – zwischen dem späten 17. und frühen 18. Jahrhundert – wurden die Sitzungen dorthin verlegt.
Die Kirche San Bartolomäus steht auf einem Teil des Areals, das einst ein Ende der römischen Basilika von Asturica Augusta bildete. Mit der Ausbreitung des Christentums im Römischen Reich war es üblich, dass römische Verwaltungsgebäude wie Basiliken in religiöse Gotteshäuser umgewandelt wurden. So sehr, dass eine der Bedeutungen des Wortes „Basilika“ laut der spanischen Real Academia lautet: „Kirche, die durch Alter, Pracht oder besondere Riten hervorsticht oder bestimmte Privilegien genießt – in Anlehnung an die römischen Basiliken.“


