Die Kirche San Pedro de Rectivía ist die Pfarrkirche des Stadtteils Rectivía, durch den der Jakobsweg das Stadtgebiet von Astorga verlässt. Ursprünglich wurde sie im Mittelalter als Kapelle errichtet, betreut von den Priestern der nahegelegenen Pfarrei Santa Marta. 1920 wurde in diesem Teil der Stadt eine neue Pfarrei gegründet, und seither besuchen sowohl die Bewohner von Rectivía als auch die Pilger auf dem Weg nach Santiago die Gottesdienste.
Die Kirche wurde mehrfach umgebaut, bis sie 1972 vollständig renoviert und nach dem Entwurf der Architekten Ángel Mirones Velar und Ceferino Bada Castañón neu errichtet wurde. Neben dem Gotteshaus umfasst der Pfarrkomplex auch mehrere Räume für kulturelle und pastorale Aktivitäten. Sie gilt als eines der bedeutendsten Beispiele zeitgenössischer Architektur in Astorga.
Es ist die einzige Kirche in Astorga, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gebaut wurde, was ihr besondere Merkmale im Vergleich zu anderen Kirchen der Stadt verleiht, da sie auf Funktionalität ausgelegt ist.
Das Vordach über dem Eingangsbereich ist ein auffälliges Element, ebenso wie die Fassade, Teile der Seitenwände und der Bodenbelag im Inneren, die mit modernen Mosaiken mit religiösen und jakobinischen Themen geschmückt sind. Ein weiteres bemerkenswertes Merkmal sind die Glasfenster, die die 14 Stationen des Kreuzwegs darstellen. Diese modernen, spirituell tiefgründigen Fenster verleihen dem Innenraum ein besonderes Lichtspiel, das mit der schlichten Gestaltung aus Ziegel und Beton kontrastiert.
Unter den religiösen Skulpturen befindet sich der Christus der Liebe und Vergebung, geschaffen 1995 vom lokalen Schreiner Enrique Morán. Diese Darstellung des gekreuzigten Christus ist eine zentrale Figur des Kreuzwegs, der jeden Dienstag der Karwoche in Astorga stattfindet.
Die Kirche ist der Sitz der Bruderschaft „Einzug in Jerusalem“, im Volksmund bekannt als „Las Palmas“. Neben ihrer Teilnahme am Kreuzweg findet ihre Hauptprozession am Palmsonntag statt, mit der Segnung der Palmen auf dem Plaza Mayor. Nach der Messe im Dom ist die Rückkehr des „La Borriquilla“-Heiligenbildes zur Kirche San Pedro de Rectivía ein besonderer Moment des Palmsonntags.

Kuriositäten:
Alle Mosaike der Kirche San Pedro de Rectivía stammen aus der Werkstatt Musivaria Antiqua, die in den Räumen des Pfarrkomplexes gegründet wurde. Dort gestalteten Freiwillige über Jahre hinweg die Eingangsfassade, große Teile des Fußbodens und einige Wände mit religiösen Motiven. Musivaria Antiqua war lange ein Beschäftigungsprojekt, in dem viele mehr fanden als nur eine Tätigkeit. Der Jakobsweg spielt in vielen Mosaiken eine zentrale Rolle, und es gibt auch Inschriften in Arabisch und Hebräisch, die zum interreligiösen Dialog einladen.

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